Zwanzig Jahre später – und einer fährt nun in unseren Erinnerungen weiter
Heute, zwanzig Jahre später, sind die 1000 Kilometer längst gefahren. Die Reifen haben aufgehört zu rollen. Die Räder stehen vielleicht in anderen Kellern. Manche Erinnerungen sind mit den Jahren leiser geworden. Aber es gibt Geschichten, die verlieren nichts von ihrer Kraft.
Foto: Bernd Löwenberger (HZ)
Erinnerungen
Und manche Erinnerungen bekommen plötzlich eine ganz besondere Bedeutung.
Willi Pfaff, einer der acht Radfahrer, die im September 2006 gemeinsam von Oberaula nach Marsanne aufbrachen, verstarb im April 2026 im Alter von 81 Jahren – so, wie es vielleicht zu ihm passte: auf einer seiner Fahrradtouren.
Sein Tod macht die Erinnerung an jene große Fahrt nach Marsanne noch wertvoller.
Denn Willi war nicht nur dabei, als acht Männer 1000 Kilometer auf sich nahmen. Die Freude am Radfahren begleitete ihn offenbar weit über diese besondere Tour hinaus – bis zuletzt.
Wenn wir heute an den 8. September 2006 zurückdenken, dann denken wir an den ersten Morgen auf dem Oberaulaer Marktplatz.
An lange Straßen und müde Beine.
An Sonne, Berge und Gegenwind.
An Freundschaft.
An französische und deutsche Fahnen.
An das Gefühl, nach vielen hundert Kilometern endlich gemeinsam am Ziel anzukommen.
Und wir denken auch an Willi.
An einen Mitfahrer.
An einen Freund.
An einen Menschen, der bis zum Schluss seinem Fahrrad und der Freude am Unterwegssein verbunden blieb.
Die Tour nach Marsanne dauerte nur acht Tage.
Die Erinnerung daran inzwischen zwanzig Jahre.
Und Willi Pfaff wird auf diesem Weg für seine Mitfahrer und alle, die ihn kannten, immer ein Stück weiterfahren.
1000 Kilometer im Sattel – aber eine Freundschaft, die keine Kilometer kennt.
Im Sattel der Freundschaft
Der Aufbruch
Es war ein kühler, aber sonniger Morgen, als am 8. September 2006 acht entschlossene Radsportler auf dem Marktplatz in Oberaula in die Pedale traten: Martin Soller, Willi Pfaff, Siegfried Wagner, Heiko Schmidt, Freddy Wurmbäck, Wilfried Schwalm, Hans Herrmann und Dominique Meyer. Eine gewaltige Strecke lag vor ihnen von rund 1.000 Kilometern, verteilt auf 8 Tagesetappen. Begleitet und bestens betreut wurden sie von Reinhold Steinert und Claus-Henning Meyer in den zwei Begleitfahrzeugen.
Die Reise durch 8 Etappen
Bei sommerlichen Temperaturen und bester Stimmung kämpfte sich die Gruppe Tag für Tag durch wechselnde Landschaften und über anspruchsvolle Höhenmeter:
1. Tag 1 (Oberaula – Biebergemünd): Der Auftakt führte durch die gewohnten nordhessischen Hügel zur ersten Zwischenstation.
2. Tag 2 (Biebergemünd – Germersheim): Ein langer Ritt gen Süden entlang der Flusslandschaften bis an den Rhein.
3. Tag 3 (Germersheim – Sasbach am Kaiserstuhl): Der Grenzübertritt nach Frankreich durch das malerische Elsass.
4. Tag 4 (Sasbach – Colmar): Radeln entlang der historischen elsässischen Weinstraße.
5. Tag 5 (Colmar – Morteau): Der Einstieg in die fordernden Steigungen des Jura-Gebirges.
6. Tag 6 (Morteau – St. Claude): Reine Pass- und Bergromantik mit knackigen Anstiegen.
7. Tag 7 (St. Claude – Dolomieu): Die Übergangsetappe in Richtung des sonnigen Rhônetals.
8. Tag 8 (Dolomieu – Marsanne): Das große und unvergessliche Finale!
Das große Finale am Col de Tartaiguille
Der 8. Tag sollte zum Höhepunkt der gesamten Reise werden: Auf dem Gipfel des Hausberges von Marsanne, dem Col de Tartaiguille, wartete eine Überraschung. Eine französische Delegation um den Marsanner Bürgermeister Thierry Intuillier, den beratenden General des Departements Drôme André Gilles sowie die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Marie-Helene Arnaud empfingen die geschafften, aber glücklichen Radler.
Gemeinsam formierte sich ein über 30-köpfiges Peloton, das unter großem Jubel vom Pass hinab ins Ziel nach Marsanne rollte. Das Erreichen des Zielortes Marsanne nach rund 1.000 Kilometern und der überaus herzliche Empfang auf dem Marktplatz waren ein unbeschreibliches Erlebnis, das allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die Warmherzigkeit und Gastfreundschaft der französischen Freunde waren überwältigend.
Heimkehr im Kerzenschein
Nach unvergesslichen Tagen und einem emotionalen Abschied am 17. September, bei dem auch die eine oder andere Träne floss, kehrte die Gruppe am Abend gegen 21:30 Uhr nach Oberaula zurück. Am Marktbrunnen erwartete sie ein gebührender Empfang: Ein großes Willkommensplakat, Sekt, Kerzenschein und ein kleines Feuerwerk feierten die Heimkehrer für ihre fantastische sportliche und menschliche Leistung.
Die überaus erfolgreiche Radtour war ein weiterer Baustein der herzlichen Freundschaft zwischen Oberaula und Marsanne.
Ein ganz besonderer Dank gilt abschließend den großzügigen Sponsoren, den örtlichen und überörtlichen Wirtschaftsbetrieben, der Gemeinde Oberaula sowie zahlreichen Privatpersonen. Ihre tatkräftige und wertvolle Unterstützung hat diese Radtour erst ermöglicht und damit einen wesentlichen Beitrag zu ihrem Erfolg geleistet.










