06.05.2026
Krisenprävention im Fokus: Was erwartet uns im Ernstfall? Sind wir bereit?
Hausen – Was wäre, wenn unsere osthessische Region ein Szenario wie in Berlin erlebt? Ein Stromausfall über mehrere Tage. Oder es sogar zur Kriegssituation kommt? Welche Herausforderungen kommen auf uns zu und wie kann man sich darauf vorbereiten? Um darauf der Bevölkerung eine Antwort geben zu können, veranstaltete die Seniorenstiftung „daHeim im Leben“ eine Diskussionsrunde zum Thema „Krisenprävention heißt Vorsorge.“
Für eine Podiumsdebatte befassten sich Prof. Dr. Roman Poseck (CDU), Hessischer Minister für Sicherheit und Heimatschutz, Prof. Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Brigadegeneral Holger Radmann, Kommandeur des Landeskommandos Hessen und Stefanie Klee (CDU), Mitglied des Landtags und unter anderem des Gesundheitsausschusses, mit verschiedensten Fragen. Anschließend folgte eine öffentliche Diskussion mit Vertretern der Einsatzkräfte und der Bürger. Schauplatz dafür war die Dorfkirche in Oberaula-Hausen (Schwalm-Eder-Kreis).
„Wir wollen keine Krise, wir wollen aber vorbereitet sein“
Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung „daHeim im Leben“ und Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Fulda, begrüßte alle Anwesenden und erklärte die Ortswahl am Dienstagabend: „Im Katastrophenfall ist auch der liebe Gott gefragt. So ist die Kirche ein Ort der Zuversicht, des Trosts und der Hoffnung.“ Und schon in Ihrer kurzen Rede machte sie klar: „Wir wollen keine Krise, wir wollen aber vorbereitet sein.“ Auch Winfried Becker, Landrat vom Schwalm-Eder-Kreis, richtete kurze Grußworte an die Zuhörer und äußerte den Appell: „Vorsorge beginnt bei Ihnen selbst, sensibilisieren Sie Ihre Freunde und Nachbarn. Helfen Sie mit, unsere Demokratie weiterhin in Frieden und Freiheit leben.“
Poseck möchte Problem gemeinsam angehen
Der Journalist Klaus Brill agierte an dem Abend als Moderator und stellte in der Podiumsdiskussion spannende Fragen. So antwortete Minister Poseck auf die Frage „Wo liegen in Hessen die größten Probleme?“ wie folgt: „Am Ende kommt es darauf an, dass wir gemeinsam die Probleme angehen. Wir brauchen Technik, Planung und Übung. Am Ende geht es darum, die Katastrophe zu verhindern. Wenn es doch zur Katastrophe kommt, müssen wir schnellstmöglich damit umgehen. Es gibt immer neue Herausforderungen und sie bewältigen wir nur gemeinsam.“
In Bezug auf die gemeinsame Arbeit ging die Bischöfin Hofmann auch auf die Funktion der Kirche ein. „Die Menschlichkeit muss gestärkt werden. Dabei kann die Kirche und der Glaube helfen.“ Da die Veranstaltung von der Seniorenstiftung „daHeim im Leben“ organisiert wurde, standen auch die Herausforderungen für ältere Menschen im Fokus. Dazu äußerte sich Klee, die selbst mal ein Seniorenzentrum leitete: „Ich denke, dass sich Menschen gegenseitig helfen können. Aber im Krisenfall werden immer viele Menschen gebraucht. Es müssen dann wahrscheinlich Entscheidungen getroffen und Fragen wie „Wo wird das Fachpersonal eingesetzt?“ beantwortet werden.
Eine Frage, die am Abend ebenfalls aufgegriffen wurde, war die Militärarbeit. „Es geht uns darum, Frieden und Freiheit zu bewahren. Zu Beginn ist Abschreckung nötig, um diese Werte zu schützen. Wenn es doch unvermeidbar sein sollte, ist die Unterstützung der Streitkräfte nötig. Zur allgemeinen Prävention benötigen wir Ausrüstung, Materialien und Kräfte“, so der Brigadegeneral Radmann. Was für ihn während einer Krise – neben der Zusammenarbeit aller – noch wichtig ist, ist Ruhe. „Wenn wir nicht die Ruhe bewahren können, wird das Handeln – wie die Truppenversetzung – schwieriger. Und deshalb geht es um die Vorbereitung, um die Übung. Denn jeder der gut vorbereitet ist, ist ruhiger.“
„Muss die Bundeswehr am Hessentag sein?“
Weitere Themen waren zudem das Lernen aus bereits geschehenen Situationen, die Bundeswehrpräsenz am Hessentag und das Ehrenamt. Vor allem die Bundeswehrpräsenz habe für Klee eine besondere Priorität: „Muss die Bundeswehr am Hessentag sein? Ich sage, wir müssen sie zurück in die Gesellschaft holen. Sie verteidigen unsere Demokratie und Sicherheit. Ich lade Sie ein, gehen Sie aktiv auf unsere Soldaten zu. Nutzen Sie den Hessentag in Fulda, um sich zu informieren und danke zu sagen.“ Für den Hessischen Minister stellt das Ehrenamt ein essenzielles Gut dar. „Ohne das Ehrenamt wäre so einiges nicht möglich. Es gibt mehr als 70.000 Feuerwehrleute in Hessen – größtenteils Freiwillige – und mehr als 25.000 Menschen, die im Katastrophenschutz tätig sind. Ich erinnere mich an den Hessentag in Fritzlar. Zu dieser Zeit gab es eine Hochwasserkatastrophe in Bayern. Am nächsten Tag waren Einsatzkräfte aus Hessen vor Ort. Das ist ein Beispiel, das für Engagement steht.“
„Wir brauchen auch die Bevölkerung“
Am Ende der Diskussionsrunde meldeten sich noch Publikumsfragen. So wurden auch unter anderem Themen wie die Angst vor Verantwortung und die entscheidende Rolle der Landwirtschaft. Auch Christoph Schwab, Geschäftsführer des DRK-Fulda, brachte zwei wichtige Anliegen mit: „Das Ehrenamt braucht eine finanzielle Basis für Materialien. Das sollte nachgebessert werden. Auch unsere Bürokratie ist momentan sehr groß.“ Er zeigte sich zuversichtlich: „Wenn wir daran arbeiten, werden wir richtig gut.“
„Alle die hier waren, sind auf die Bevölkerung eingegangen und haben die Fragen beantwortet. Wir alle wissen jetzt, dass wir das Ehrenamt fördern müssen und, dass wir uns selbst auf solche Sachen vorbereiten können“, resümierte Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg. Auch der Hessische Minister für Sicherheit und Heimatschutz zog ein positives Fazit: „Wir werden alles daran setzen, dass wir solche Katastrophen nicht erleben müssen und bestmöglich damit umgehen. Das haben alle Beteiligten in den Mittelpunkt gestellt. Wir brauchen auch die Bevölkerung. Eigenverantwortung ist ein ganz wichtiges Thema, das wir auch zu den Menschen bringen.“
So ist klar: Gemeinsam können wir unsere Region widerstandsfähiger machen. (Mia Schmitt)



















