Verein will Nature Trails am Eisenberg bauen

07.02.2026

Überwältigendes Interesse:

Eisenberg-Lift liegt den Menschen am Herzen

Ziehen gemeinsam am sinnbildlich dicken Seil: Elmar Henrich, Roland Dostler, Karl-Heinz Hemel und Walter Glänzer (von links) – Fotos: André Söllner

Der stillgelegte Skilift bewegt die Menschen unterhalb des Eisenbergs im Knüllgebirge. Ein Beweis: Das Bürgerhaus in Aua (Neuenstein) platzte am Donnerstagabend aus allen Nähten. Über 200 interessierte Bürger, Vertreter von Vereinen, Politik und Behörden wollten sich informieren, wie es auf dem Eisenberg weitergehen soll.

Die aktuelle Situation ist trist: Der Betreiber des Skilifts hat den Betrieb nach Jahren ohne nennenswerten Schnee eingestellt. Der Berggasthof ist verlassen, der Aussichtsturm gesperrt. Der 636 Meter hohe Eisenberg im Knüllgebirge ist also eher ein Lost Place. Dabei bietet das Plateau eine herrliche Aussicht, Fabelwege und Wanderstrecken wie der Eisenberg-Steig sind beliebt. Ein herrliches Fleckchen Erde in der Mitte Deutschlands.

Trotzdem finden nur vergleichsweise wenige Menschen und noch weniger Touristen den Weg zur höchsten Erhebung der Region. Doch die Zeichen sind ermutigend. Vor allem, weil viele Anwohner, Vereine und Kommunen gemeinsam an einem Strang ziehen. Das hat die Informationsveranstaltung eindrucksvoll bewiesen. Seit einiger Zeit beschäftigen sich beispielsweise Roland Dostler und Elmar Henrich mit diesembesonderen Lieblingsort und damit, wie es gelingen kann, dem Eisenberg den Fokus zu geben, den er verdient. Sie haben eine Strategie entwickelt.

Über 1.000 Unterstützer-Unterschriften

„Der Skilift am Eisenberg im wunderschönen Knüllgebirge bedeutet für mich und viele andere Menschen in der Region mehr als nur eine Möglichkeit, im Winter Ski zu fahren. Es ist ein Zeichen unserer Verbundenheit mit der Natur, unserer Gemeinschaft und dem gemeinsamen Erlebnis, das Touristen aus nah und fern zu uns führt“, hatten sie im Vorfeld erklärt und eine Online-Unterschriftenaktion gestartet. Dort kamen bereits innerhalb von gut zwei Tagen über 1.000 Unterschriften zusammen.

Am Donnerstagabend stellten sie ihr Konzept für den Eisenberg erstmals der Öffentlichkeit vor. Ihr Ziel ist es, den Lift zu erhalten. Dazu sind viele Schritte notwendig. Zunächst soll zeitnah der Verein „Hope for the Rope“ gegründet werden. Dieser werde den Lift für drei Jahre vom bisherigen Betreiber, der Firma Wiegand aus Rasdorf (Landkreis Fulda) pachten. Entsprechende Möglichkeiten werden geprüft. Geschäftsführer Jeremias Kümpel erklärte, dass der Lift in einem sehr guten Zustand sei. Sein Unternehmen unterstützt die Ideen und würde sogar einen Rückbau der Anlage übernehmen, sollten die Ziele des künftigen Betreibers in den nächsten drei Jahren nicht umgesetzt werden können. Hessen Forst verlangt vertragsgemäß einen entsprechenden Rückbau. Zudem ist Hessen Forst Besitzer von rund 60 Prozent der Flächen am Lift. Dessen Vertreter erklärte, dass sich Hessen Forst „neutral“ verhalte. Der „Rest“ ist in Privatbesitz.

Primäre Nutzung im Sommer für den Winter-Betrieb

Roland Dostler machte deutlich, dass eine primäre Nutzung im Sommer notwendig sei, um den Lift auch im Winter nutzen zu können. Das freut natürlich die Wintersportler, etwa vom örtlichen Ski-Club Neuenstein. Im Sommer sollen Nature Trails angelegt werden. Keine Anlagen für Extremsportler, sondern für Familien, Kinder, Jugendliche. Praktisch für jeden, der sich gerne in einem Trail ausprobieren will. Der Lift befördert die Mountainbiker wieder nach oben. Robert Otto aus Bad Salzungen baut mit seinem Unternehmen weltweit Trails in allen Formaten. In Deutschland gibt es geschätzt zwischen 20 und 25 Millionen Mountainbike-Fahrer. Wenn es um Trails geht, ist aber gerade die Mitte des Landes ein „schwarzer Fleck“. Er unterstützt die Pläne am Eisenberg und berichtete von ähnlichen Projekten, etwa im Erzgebirge.

Dostler und Henrich stellten in ihrem Konzept unter anderem die sozialen und gesellschaftlichen Vorteile sowie den regionalen und wirtschaftlichen Nutzen vor. „Wir wollen keinen kommerziellen Bikepark“, sagte Dostler. Alles solle im Einklang mit der Natur angelegt werden. Die ökologischen Belange liegen ihnen am Herzen. Auf Vermittlung des Bundestagsabgeordneten Wilhelm Gebhard (CDU) gab es bereits erste Gespräche mit der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel. Verschiedene Gutachten müssen nun erstmal erstellt werden. Die Kosten würden wohl im fünfstelligen Euro-Bereich liegen, bis ein entsprechender Betrieb möglich ist.

„Extrem viele Anfragen in den vergangenen Tagen“

Der Abend in Aua dürfte ihnen auf dem sicher langen und steinigen Weg Auftrieb geben. Das Engagement der Interessensgemeinschaft stößt auf viel Zustimmung. Die drei Anwohner-Bürgermeister Klaus Wagner (Oberaula), Axel Schmidt (Kirchheim) und Roland Uhrstadt (Neuenstein) waren ebenso zu Gast wie Vertreter der Tourismusregion Rotkäppchenland. Es ist fast schon verrückt: Gerade jetzt hat es so viel geschneit wie lange nicht mehr. Bis zu 40 Zentimeter Schnee liegen dort oben. „Wir hatten in den vergangenen Tagen extrem viele Anfragen für den Eisenberg“, berichten die Touristiker. Doch wegen des stillgelegten Skilifts machen sie einen Bogen um den Eisenberg.

Feriendorf Hannover freut sich über die Ideen

Sogar aus Hannover ist ein Vertreter des Feriendorfes der Landeshauptstadt angereist. Er machte deutlich, dass der Betrieb des Liftes und mehr Leben auf dem Eisenberg auch für die Zukunft des Feriendorfes der Niedersachsen unterhalb des Berges wichtig sei.

Ein Tenor des Abends: Gemeinsam den Eisenberg aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken. „Wir haben alles, um attraktiv zu sein“, sagte Dostler. Zwei Autobahn-Anschlussstellen in unmittelbarer Nähe, Busanbindung, Berggasthof und Skihütte, drei Parkplätze – die Infrastruktur ist vorhanden. „Wir müssten nicht mal zusätzliche Flächen versiegeln“, sagte Dostler.

Nach der Vorstellung hatten die vielen Gäste Gelegenheit, Fragen zu stellen. Dunja Hess hatte die Moderation übernommen. Bei aller Euphorie gibt es viele Aufgaben, die nun zu bewältigen sind. Das wurde auch aus den Fragen deutlich. Wie und wo genau die Trails angelegt werden könnten, hängt etwa vom Vorkommen seltener Pflanzen und Tiere ab. Auch hier gäbe es bauliche Möglichkeiten, erklärte Otto. Die Erfahrung aus anderen Regionen zeige, dass angelegte Trails, die Biker dazu bringen, diese zu nutzen. „Unter 1.000 wird es aber auch einen geben, der sich nicht an die Regeln hält“, sagte Otto.

Die Gespräche mit den Grundstücksbesitzern sollen in Kürze aufgenommen und der Verein noch im Februar gegründet werden. Bereits im kommenden Winter soll der Skilift wieder in Betrieb gehen. Läuft alles optimal, dann werden die Mountainbiker in zwei Jahren die Trails befahren. Der ehemalige Bürgermeister von Neuenstein und Mister Eisenberg, Walter Glänzer, appellierte: „Für mich ist es ein Herzensprojekt, das könnt ihr mir glauben.“ Wilhelm Gebhard sagte seine Unterstützung zu. Er lobte die Bereitschaft der Firma Wiegand. Das habe ihn bei einem Vororttermin vor einigen Wochen bereits begeistert und ermutigt. „Wir brauchen ein solches Leuchtturmprojekt“, sagte der Christdemokrat. Thomas Schneemilch (SPD) aus Kirchheim rief dazu auf, auch die Landesregierung ins Boot zu holen.

Aua hat ein bärenstarkes Zeichen gesetzt

„Wir werden alles versuchen“, sagte Dostler abschließend. Aua hat am Donnerstagabend ein bärenstarkes Zeichen gesetzt. Nun gilt es, die unterschiedlichen Interessen zu bündeln, zusammenzuführen und gemeinsam Lösungen zu finden. Mit Herzblut fassten etwa Silvia Hemel und Benjamin Schwarz zusammen: „Lasst uns das schnell auf den Weg bringen“, so Hemel. Schwarz ergänzte: „Lasst uns den Eisenberg auf Vordermann bringen“.

Mit der Öffnung der Turmschänke auf dem Eisenberg zumindest sonntags, hat der Ski-Club einen ersten Schritt gemacht. Ehrenamtlich übrigens. Der Besitzer vom Berggasthof ist ebenso gewillt, zu unterstützen. Die Wasserversorgung zur Skihütte läuft wieder. Es sind kleine Schritte, die Mut machen. Und es sind die Menschen vor Ort, die zusammen anpacken – ehrenamtlich. (Hans-Hubertus Braune)

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