Ein Schweizer Melker schrieb ein Stück Hausener Geschichte

Historische Ehrenurkunden erinnern an Martin Corpataux und das Rittergut Hausen

Die Urkunden befinden sich im Privatbesitz der Familie.

Hausen. Als im Jahr 1910 ein 33-jähriger Schweizer seinen Dienst auf dem Rittergut Hausen antrat, ahnte niemand, dass er mehr als sechs Jahrzehnte in dem kleinen Ort verbringen und Teil seiner Geschichte werden würde. Zwei erhaltene Ehrenurkunden aus den Jahren 1921 und 1931 erinnern heute an Martin Corpataux – und an ein nahezu vergessenes Kapitel der regionalen Landwirtschaft.

Martin Corpataux wurde am 24. November 1876 in Alterswil im Kanton Freiburg (Fribourg) in der Schweiz geboren. Schon in jungen Jahren verließ er seinen Heimatort und nahm eine Stellung auf einem Gut bei Gudensberg an. Dort lernte er seine spätere Frau Katharina Elisabeth Riemenschneider kennen. Sie heirateten am 14. Juli 1901 und blieben ein Leben lang zusammen.

1910 traten beide eine Stelle beim Rittergutspächter Collmann in Hausen an. Das Rittergut, das zum Besitz der Freiherren von Dörnberg gehörte, war damals ein moderner landwirtschaftlicher Großbetrieb. Wie viele größere Güter in Deutschland war es auf gut ausgebildete Fachkräfte für Stall, Melkerei und Viehhaltung angewiesen. Gerade in der Milchwirtschaft zählten Erfahrung, Sauberkeit und Verlässlichkeit mehr als bloße Arbeitskraft.

Dass ein Schweizer diese Aufgabe übernahm, war kein Zufall. Um 1900 herrschte in der deutschen Landwirtschaft ein spürbarer Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Die Industrialisierung zog viele junge Menschen in die Städte, während auf den Gütern erfahrene Melker und Käser fehlten. Besonders in Nord- und Mitteldeutschland warb man deshalb gezielt Schweizer Fachkräfte an. Sie kamen aus einer Region mit langer Tradition in der Rinderhaltung und Milchwirtschaft, brachten Kenntnisse in Fütterung, Stallhygiene, Butter- und Käseherstellung mit und genossen auf deutschen Gutshöfen einen ausgezeichneten Ruf.

Der Begriff „Schweizer“ wurde deshalb vielerorts sogar zur Berufsbezeichnung für erfahrene Melker und Milchmeister. Häufig kamen diese Männer zunächst als Saisonkräfte, doch nicht wenige blieben dauerhaft und wurden zu festen Stützen der Betriebe.

Auch auf dem Rittergut Hausen vertraute Pächter Collmann auf dieses Fachwissen. Martin Corpataux übernahm die Verantwortung für den wertvollen Milchviehbestand und gehörte damit zu den wichtigsten Fachkräften des Betriebes. Er war damit Teil jener schweizerischen Arbeitsmigration, die um 1900 die Milchwirtschaft vieler deutscher Güter prägte. Seine Arbeit war nicht nur körperlich anstrengend, sondern verlangte auch Genauigkeit, Disziplin und ein besonderes Gespür für Tiere und Abläufe im Stall.

Wie sehr seine Leistung geschätzt wurde, zeigen die Ehrenurkunden des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Ziegenhain vom 20. Juli 1921 und der Landwirtschaftskammer des Regierungsbezirks Kassel von 1931. Darin wird Martin Corpataux für langjährige treue Dienste ausgezeichnet. Solche Ehrungen waren durchaus etwas Besonderes, denn Schweizer Melker wechselten häufig den Arbeitgeber. Die Auszeichnungen sprechen daher für das außergewöhnliche Vertrauensverhältnis zwischen Corpataux und Collmann.

Martin Corpataux blieb seiner Wahlheimat Hausen sein Leben lang verbunden. Er legte auch die Schweizer Staatsangehörigkeit ab und wurde deutscher Staatsbürger. Er erlebte den Wandel der Landwirtschaft vom Handmelken über die Kriegsjahre bis hin zur Mechanisierung nach dem Zweiten Weltkrieg. Anfang der 1950er-Jahre übernahm Hans-Eppo von Dörrnberg die Landwirtschaft wieder selbst, und Martin Corpataux ging in den Ruhestand. Am 30. September 1975 verstarb er im Alter von 98 Jahren in Hausen.

Die Ehrenurkunden sind heute weit mehr als persönliche Erinnerungsstücke. Sie dokumentiert eindrucksvoll die enge Verbindung zwischen der Region und den Schweizer Fachkräften, die um 1900 auf vielen Gutshöfen unverzichtbar waren. Gleichzeitig erzählt sie die Geschichte eines Mannes, der als Teil dieser Wanderbewegung nach Hausen kam, dort heimisch wurde und mit seiner Arbeit ein kleines, aber bemerkenswertes Kapitel der Ortsgeschichte schrieb.

Heute, im Jahr 2026, braucht man keine Melker mehr – wohl aber qualifizierte Fachkräfte. Die einzigen Milchbauern in Hausen sind Bärbel, Hans und Michael Hellwig. Auf ihrem Hof übernimmt heute ein Melkroboter die Arbeit – sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr. Die Kühe kommen zur Melkmaschine, wann immer sie wollen – ob bei Tag oder bei Nacht.

Hinweis: Wer historische Unterlagen oder Fotografien zum Rittergut Hausen, zur Familie Collmann oder zu Martin Corpataux besitzt, kann mithelfen, dieses interessante Kapitel der Ortsgeschichte weiter zu erforschen und für kommende Generationen zu bewahren.

Erwähnenswert


Corpataux – ein Dorf in der Schweiz

Corpataux – ein Name mit Geschichte

Corpataux ist eine Gemeinde im Saanebezirk des Kantons Freiburg in der Schweiz.

Am 1. Januar 1999 schloss sich Corpataux mit dem Nachbardorf Magnedens zur Gemeinde Corpataux-Magnedens zusammen. Viele glaubten damals, das alte Corpataux würde seine Identität verlieren. Doch das Gegenteil geschah: Die beiden Dörfer wuchsen zusammen und bildeten die neue Gemeinde Corpataux-Magnedens.

Jahre später, im Jahr 2016, folgte die nächste Veränderung: Die Gemeinde wurde Teil der neuen Gemeinde Gibloux. Wieder fragten sich manche, ob der Name Corpataux eines Tages nur noch in alten Büchern stehen würde.

Vielleicht ist genau das, das wahre Geheimnis von Corpataux. Obwohl sich die kommunalen Grenzen verändert haben und der Ort heute zur Gemeinde Gibloux gehört, lebt seine Geschichte weiter – in jedem Stein, jedem Haus und in den Erinnerungen der Menschen, die diesen besonderen Ort ihre Heimat nennen.

Das ist durchaus mit unserem Hausen vergleichbar. Hausen und Oberaula fusionierten bereits 1972 – also noch vor der Gebietsreform von 1974. Lediglich die geplante Fusion im Jahr 2024 mit Neukirchen und Ottrau kam nicht zustande. Hausen ist über 866 Jahre alt und besitzt seit dem 15.08.1323 Stadtrechte.

Familienname Corpataux

Nachfahren von Martin Corpataux gibt es heute in der sechsten Generation in Hausen. Da der Familienname jedoch nicht weitergegeben wird, wird die Linie mit dem Namen Corpataux voraussichtlich aussterben.

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